Vorab: Der Begriff “Technischer Redakteur” ist der von der Tekom präferierte und hat sich weithin durchgesetzt, auch wenn viele Leute dadurch denken, dass man “nur” die Texte anderer redaktionell bearbeitet und lektoriert. Tatsächlich betreiben meiner Erfahrung nach freiberufliche technische Redakteure immer auch Consulting rund um technische Lösungen und Design für Dokumentation, können ein wenig programmieren und Grafiken erstellen, können übersetzen und eine gewisse Qualitätssicherung für Übersetzungen, Oberflächendesigns und Benutzerfreundlichkeit durchführen. Wenn man sich abgrenzen mag – “Informationsdesign” oder “Technische Kommunikation” ist eigentlich korrekter, nur benutzt das kaum jemand in Angeboten und Suchen.

Einige typische Fragen…

Wo findet man Jobs oder Projekte in der technischen Redaktion?

Stellenangebote bei der Tekom — in diesem Spezialistenportal tragen viele Firmen ihre Stellen ein.

Monster.de und ähnliche Jobportale. Die gezielte Eingabe sollte dabei “technischer redakteur [stadt]” lauten. Für eine breitere Suche bieten sich Themenfelder wie “software [stadt]” oder “maschinenbau [stadt]” usw. an. Damit lassen sich Firmen finden, die Bedarf haben könnten.

Gulp.de ist das Portal für freiberufliche IT-Berater (und überwiegend in Männerhand). Dort suchen sich viele Projektvermittlungsagenturen ihre Mitarbeiter.

So richtig viele Angebote gibts aber nicht, oder?

Geht so. Bis zur Wirtschaftskrise hat der Markt für technische Redakteure ziemlich geboomt, allerdings eher in den Sektoren E-Technik, Maschinenbau und Flugzeugbau. Softwaredokumentation ist definitiv seltener.

Wie ist das mit Projektvermittlern?

Projektvermittler sitzen zwischen Auftraggeberfirmen und dem Freiberufler und nehmen diesen als Unterauftragnehmer unter Vertrag. Sie haben folgende Vorteile:

  • Sie übernehmen die Akquise für den Freiberufler. Akquise stellt für Freiberufler oft eine Schwierigkeit dar, und so ist es tendenziell entspannter, einfach auf den nächsten Anruf mit dem Angebot zu warten (wenn er denn kommt!).
  • Sie haben Kontakte zu großen Firmen (die vielfach gar keine einzelnen Freiberuflern beauftragen, sondern nur noch über Projektvermittler gehen). Wer wohlklingende Namen in der Referenzliste will, hat hier gute Chancen.
  • Sie zahlen zu einem definierten Zeitpunkt (typischerweise 30-45 Tage nach Rechnungsstellung). Das klingt nach einem langen Zeitraum, doch wer einmal mit deutschen Großunternehmen zu tun hatte, weiß, dass diese schnell drei Monate bis zur Zahlung ins Land ziehen lassen. Projektvermittler überbrücken diese Zeiten. Ich kann nur davon abraten, Verträge zu unterschreiben, in denen die eigene Zahlung zeitlich an die des Oberauftraggebers gekoppelt ist. (Die Zahlung ist immer daran gekoppelt, dass die Rechnung akzeptiert wird.)

Dafür gibt es folgende Nachteile/Besonderheiten:

  • Projektvermittler verdienen an jeder Stunde mit, daher ist der Stundensatz tendenziell (aber nicht immer!) geringer als bei direktem Kundenkontakt.
  • Verträge mit Projektvermittlern sind meist umfangreich und beinhalten bedrohliche Vertragsstrafen bei Verletzung der Schweigepflicht oder vorzeitigem Ausstieg, vermitteln also leicht das Gefühl, seine Seele dem Teufel zu verschreiben :) Arbeitsverträge sind vergleichsweise brav dagegen.
  • Das Projektvermittlerbusiness ist primär im Süden von Deutschland beheimatet. Die überwiegende Zahl von Angeboten kommt aus Frankfurt, Stuttgart, München und sonstwo in Bayern. Ruhrgebiet, Berlin und Norddeutschland sind ziemlich unterrepräsentiert.
  • Projektvermittler vermitteln üblicherweise Vollzeitprojekte. Dies führt zu einer Ganz-oder-Gar-Nicht-Zeitaufteilung: Entweder man steckt in einem Projekt, oder man hat nichts zu tun. Es ist schwierig, kleinere Kunden und ihre Projekte neben einem Vollzeitprojekt zu betreuen.

Mehr Infos gibts bei Gulp und im Gulp-Forum. Ein Basis-Profil bei Gulp ist kostenlos und für alle Freiberufler im IT-Bereich unbedingt empfehlenswert!

Übrigens vermitteln einige Projektvermittler inzwischen auch feste Stellen. Allerdings ebenfalls überwiegend im Süden.

Was ist mit Agenturen?

Klassisches Agenturgeschäft gibt es mehr im Grafik- und Übersetzungsbereich. In der technischen Dokumentation kann man als Freiberufler prinzipiell auch mit größeren Dokumentationsfirmen zusammenarbeiten, typischerweise als Unterauftragnehmer. Allerdings bevorzugen diese Firmen meiner Erfahrung nach eher Festangestellte (die auch in 2 Jahren noch fürs Projekt greifbar sind) anstelle von Freiberuflern, die nach 3 Monaten weg sein können.

Wie ist es mit Referenzen?

Für Freiberufler sind Referenzen sehr wichtig. Schriftliche Referenzen sind bereits hilfreich, allerdings habe ich in den letzten Monaten auch erlebt, dass bis zu 3 Telefon-Referenzen gewünscht wurden, d.h. Personen, deren Daten man dem Projektvermittler gibt und die dann als Referenz vom Kunden ausgefragt werden können. In USA ist dies für Stellen meines Wissens üblich, in Deutschland eher neu. Achtung: Nie Telefonnummern weitergeben, ohne dass der potentielle Referenzgeber zugestimmt hat! Sonst kann man diesen Kunden sicherlich für die Zukunft vergessen.

Zur Lage bei Angestellten kann ich weniger sagen; Referenzen zu haben ist aber vermutlich immer hilfreich.

Was tun, wenn man keine Referenzen hat?

a) Referenzen schaffen, z.B. indem man einige kurzzeitige Projekte durchführt, ggf. auch für wenig Geld, dafür aber mit dem Ziel der Referenz vor Augen (und vertraglich mit dem Kunden im Vorfeld geklärt).

b) Mehr mit direkten Kunden als z.B. über Agenturen arbeiten, da letztere oft kein Interesse haben, dass der eigentliche Auftraggeber erfährt, wer da unten die Arbeit gemacht hat.

c) Eigene Projekte schaffen, z.B. im Internet. Das verhindert Leerzeiten im Lebenslauf und demonstriert technisches Know-How in Kombination mit interessanten Texten. Dabei darauf achten, dass die Projekte wirklich vorzeigbar sind.

Brauche ich denn eine Webseite?

Als jobsuchender Redakteur braucht man keine Webseite. Auch für Freiberufler ist eine eigene Webseite nicht notwendig, allerdings ist es im Hinblick auf das Thema Scheinselbstständigkeit hilfreich, wenn man durch eigene, sichtbare Aktivität im Markt vertreten ist, und dazu kann eine Webseite gehören.

Wenn man allerdings sowieso im Internet aktiv ist, ist dem Selbstmarketing keine Grenze gesetzt :)

Wie ist das mit der Scheinselbstständigkeit?

Eigentlich war das Gesetz 1999 dazu gedacht, die Ausbeutung von z.B. Auslieferungsfahrern und Blumenverkäufern zu limitieren — dass es plötzlich die gutverdienenden, sehr freiwillig freien IT-Berater traf, kam eher überraschend. Das Gesetz wurde alsbald korrigiert, doch auch heute gilt eine zu lange Tätigkeit für nur einen Kunden als auffällig. Ausführliche Infos dazu gibts bei E-Lance, einem allgemein sehr empfehlenswerten Ratgeber für Selbstständige und solche, die es werden wollen.

Welche Firmengrößen arbeiten denn überhaupt mit freien technischen Redakteuren?

Prinzipiell alle Größen:

  • Kleine Firmen, bei denen sich ein festangestellter Redakteur noch nicht lohnt.
  • Mittelgroße Firmen, die bereits ein Team in der Technischen Redaktion haben, aber punktuell Verstärkung brauchen.
  • Große Firmen, die bereits wieder in viele Unterabteilungen zerfallen, die eigenständige Projekte durchführen. Diese Firmen haben oft eine Redaktion, aber die ist eher fürs Intranet oder andere übergeordnete Arbeiten zuständig. Fürs Projekt wird dann temporär jemand eingekauft.

Und wie ist das mit der Wirtschaftslage?

Meine Erfahrung ist, dass bei zunehmender Krise der Markt relativ schlecht ist. Gut ist die Phase, wenn die Wirtschaft wieder anzieht, aber noch sehr zögerlich Personal eingestellt wird. Für Freiberuflichkeit eher schlecht ist eine sehr gute Wirtschaft, da die Firmen dann lieber fest einstellen.

Und die Stundensätze…?

Es gibt zwei Hauptansätze, Stundensätze zu berechnen: nach dem eigenen Bedarf (z.B. hier), oder nach dem, was der Markt bietet (z.B. hier). Da Dokumentation eine tendenziell geringe Priorität hat, wird sie gerne auch schlechter bezahlt als Entwicklung/Programmierung (wobei dort die Sätze auch schwanken, wenn nicht grad die magischen Buchstaben SAP im Profil stehen). Es hilft, wenn man sich als Spezialist profiliert, sei es über das Fachgebiet (E-Technik, Automatisierung…) oder die Dokumentationstechnik (Framemaker, DITA, SGML…).

Soviel zum Thema für heute. Ich wünsche allen, die gerade am Suchen sind, viel Erfolg! Ergänzungen und Kritik gerne in den Kommentaren.

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Das ist mein Angebot, und mit diesem Suchbegriff stand vor nicht allzulanger Zeit mein Gulp-Profil auch ganz oben in der Ergebnisliste.

Inzwischen allerdings ist es stark hinter diversen Jobportalen zurückgefallen. Schade, immerhin weiß ich von mehreren Aufträgen, die mir über dieses Suchergebnis angetragen wurden. Offensichtlich betreibt Gulp weniger Suchmaschinenoptimierung (Search Engine Optimization, SEO) als die Konkurrenz für Festangestellte. Ob ich ihnen das mal unter die Nase reiben sollte ;)? Immerhin zahle ich für mein Premium-Profil dort eine durchaus merkliche Summe.

Das heißt wohl, dass ich mich um meine Online-Vermarktung wieder selbst kümmern muss. Was braucht es dazu (außer diesem doch recht gut verlinkten Blog, in das ich gerade diesen Artikel mit der passenden Titelzeile schreibe)?

Bei Google Analytics gibt es das Keyword Tool. Eigentlich dient es der Optimierung von Adsense-Kampagnen, es ist aber auch ideal, um gesuchte Begriffe zu finden.

Geben Sie ein Keyword ein (kann auch mehrere Worte umfassen) und rufen Sie die Vorschläge ab. Sie erhalten dann eine Liste von tatsächlich abgefragten verwandten Begriffen, ihrer Häufigkeit im Angebot der Konkurrenz (Mitbewerberdichte) und der Menge der Aufrufe (Suchvolumen).

Beispiel: Beim Keyword “technische dokumentation” finden sich mehr Mitbewerber als Suchende. Bei “technische dokumentation erstellen” allerdings ist die Situation anders herum – weniger Anfrage, aber quasi keine Konkurrenz! Solche Analysen erlauben Ihnen, die eigenen Webseiten oder Ihr Blog auf Lücken hin zu optimieren.

Keyword-Tool

Wichtig für die Auffindbarkeit sind prinzipiell auch andere Dinge, wie beispielsweise die Zahl der sogenannten “eingehenden Links”, die von anderen Webseiten auf die Zielseite gehen. Zwar glaube ich nicht, dass mein Gulp-Profil signifikant mehr oder weniger verlinkt ist als früher – Daten habe ich dazu allerdings nicht.

Dann bin ich jetzt mal gespannt, ob meine Strategie hier Früchte trägt – auch wenn meine Kunden eigentlich nie in Bremen sitzen! Aber wer sucht schon “technischer redakteur irgendwo”?

Nachtrag: Am 7. April 2008 fand sich für den Suchbegriff “technischer Redakteur Bremen” dieser Eintrag bereits an vierter Stelle bei Google!

Nachtrag II: Am 6. Januar 2009 fand sich dieser Eintrag an zweiter Stelle bei Google.

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