Semikolon, revisited

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Aug 272008
 

Für manche Themen scheint einfach die Zeit zu sein. Neulich schon war das Semikolon im Englischen Thema hier im Blog, da kommen gleich drei weitere Diskussionen auf meinen digitalen Schreibtisch.

Mann Eigentlich ein trauriger Tag, wenn die Frage aufkommt, whether the use of semicolons is (ahem) gay.

Aufgehängt ist das Posting am Artikel Sex and the Semicolon, in dem beleuchtet wird, welche (männlichen) Autoren dieses Zeichen nie genutzt haben – oder im Gegenzug dazu gefördert haben. Dabei hebt sich Vonnegut als Gegner besonders hervor, der das Semikolon als „transvestite hermaphrodite representing absolutely nothing“ bezeichnete.

Da fragt der Autor zu Recht:
If semicolons are masculine enough for Melville and Irving, why should they unsettle Barthelme and Vonnegut? Are today’s male writers just more insecure than yesterday’s about the manliness of their vocation?

(Erstaunlich, in welche Dimensionen sich eine Diskussion über Satzzeichen entwickeln kann.)

Und zum Abschluss dieser Livejournal-Eintrag von „Tightrope Walker“, eine der Episoden-Verfasserinnen der Serie „House“, in dem sie the passion of the semicolon beschwört.

The semicolon does not force; it guides with clarity and logic through the thickets of prose — and in its way it guides the writer, too, for even a semicolon cannot link two entirely disparate points. Coherence comes as a side-effect.

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Ist das Semikolon am Aussterben? Nimmt es bald ein trauriges Ende als zwinkender Smiley ;)?

Unter Has modern life killed the semicolon? findet sich ein englischer Artikel, der die Entwicklung von der Frühzeit über das 18. Jahrhundert und speziell seit 1848 (hier hatte Poe noch die zu häufige Benutzung kritisiert) aufzeigt. Eine Fülle an Semikolons und Gedankenstrichen war bis dahin üblich:

As Coleridge hints, semicolons hit a speed bump with Romanticism’s craze for dashes, for words that practically spasmed off the page. Take this sample from the 1814 poem The Orphans: „Dead—dead—quite dead—and pale—oh!—oh!“

Innerhalb von nur 20 Jahren nahm die Häufigkeit des Semikolons dann allerdings rapide ab. Warum? Als Erklärung wird das Auftreten des Telegrafen als dem „Viktorianischen Internet“ geliefert:

Perusing telegraph manuals reveals that Morse code is to the semicolon what weedkiller is to the dandelion. Punctuation was charged at the same rate as words, and their high price—trans-Atlantic cables originally cost a still-shocking $5 per word—meant that short, punchy lines with minimal punctuation were necessary among businessmen and journalists.

Auch in Frankreich gab es neulich schon eine öffentliche Debatte zum Aussterben – im Artikel Das Zeichen der Zauderer wird launig beschrieben, wie bei unseren Nachbarn und auch in Deutschland dieses wunderbar literarische Zeichen verschwindet und was man vielleicht dagegen tun kann. Hier findet sich auch die folgende wunderschöne Charakterisierung des Semikolons: Die Kunst innezuhalten, ohne aufzuhören.

Übrigens gelten all die Warnungen nur für die normale, geschriebene Spache – in Computersprachen sind Semikolons weit verbreitet und werden daher sicherlich so schnell nicht aussterben.

Aber auch Sie können jeden Tag dafür arbeiten, dass das Semikolon uns erhalten bleibt; die Textwelt wäre ohne dieses ärmer…

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