Wenn es eins zu Hunderten im Netz gibt, so sind es Blogs rund um das Thema Selbstoptimierung / Produktivitätssteigerung / Organisation / mehr Erfolg, Geld etcpp.

Typische Vertreter und ihre Artikel:

43 Folders – Whining, Blue Smoke & the Mechanics of Getting Unstuck

Dumb Little Man – 10 Skills you must develop to succeed

Freelance Switch – 9 Ways to Enjoy Freelancing More

Live Hack – 10 Keys to Work/Life Balance

Shanel Yang – How to Be a Great Salesperson or Blogger

Auch ich lese einige davon, ertappe mich allerdings dabei, inzwischen einen gewissen antagonistischen Impuls zu entwickeln. Noch ein wenig mehr davon, und ich eröffne das Blog “fuckupyourlife” mit vielen tollen Beiträgen zu “10 ways to be unhappy”, “How to get broke in just one day” oder “No longer hampered by your lifepartner – 5 quick ways to get rid of him”.

Man kann diesen Frust natürlich auch abbauen wie Kathrin Passig – man schreibe ein Buch über Prokrastination, mit dem Titel Dinge geregelt kriegen ohne einen Funken Selbstdisziplin. Auf der dazugehörigen Webseite mit Blog Prokrastination.com läßt sie sich dazu weiter aus:
Wir haben “Dinge geregelt kriegen – ohne einen Funken Selbstdisziplin” aus Notwehr geschrieben. Und weil es bestimmte Bücher geben muss, auch wenn man sie dafür erst mühsam selbst schreiben muss. Wir wollen den vielen Menschen eine Stimme sein, die zwischen den verhärteten Fronten der überfleißigen Arbeitstiere und der allesablehnenden Faulenzer leben. Wir möchten uns durchaus nützlich machen – aber zu unseren Bedingungen…

Also nicht über Gebühr von den Ratgebern kirre machen lassen – wir sind nicht automatisch Versager, nur weil wir nicht “Inbox Zero” leben (immer ein leeres Postfach), noch keine zwanzig Mitarbeiter haben und die Topfpflanze im Büro doch wieder eingegangen ist, weil nie gegossen. Die eigene Arbeitsweise zu optimieren bedeutet für mich, dass man sich selbst mit dem Ergebnis wohlfühlt; egal ob sortierter oder unsortierter, produktiver oder unproduktiver.

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“Structured procrastination” ist die strukturierte Verschleppung wichtiger Tätigkeiten zugunsten anderer, nicht ganz so wichtiger Tätigkeiten. Den grundlegenden, wunderbaren Essay von 1995 zum Phänomen gibt es unter Structured Procrastination:

[...] structured procrastination, an amazing strategy I have discovered that converts procrastinators into effective human beings, respected and admired for all that they can accomplish and the good use they make of time. All procrastinators put off things they have to do. Structured procrastination is the art of making this bad trait work for you. The key idea is that procrastinating does not mean doing absolutely nothing.

[...] the procrastinator can be motivated to do difficult, timely and important tasks, as long as these tasks are a way of not doing something more important.

Die Autorin Kathrin Passig schreibt auch gerade an einem Buch darüber. Ihren Artikel dazu gibts bei wirres.net, Gesucht: Die Prokrastionationalmannschaft. Das Buch ist aktuell schon 6 Monate verspätet ;) Wen wundert’s, bei dem Thema…

Und sich einen 55 Minuten langen Beitrag zum Thema “strukturiert Dinge verschleppen” anzuhören, ist natürlich schon die gehobene Stufe von Prokrastination. Zu finden ist der Beitrag unter How to Be a Productive Procrastinator.

P.S. Prokrastination gibt es als deutsches Wort eigentlich nicht, aber es wandert gerade aus dem Englischen ein. Wahrscheinlich auch deshalb, weil es viel ernsthafter und wissenschaftlicher als “Verschleppung” klingt.

Viel Erfolg beim effektiven Aufschieben!

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