Buzzword Buzzwords, also Schlagworte, die gerade „in“ sind oder vielleicht demnächst „in“ werden, sind gerade im Software-Bereich sehr beliebt. Passend dazu gibt es den Begriff buzzword compliant für Produkte oder Lebensläufe, in denen alle gerade wichtigen Stichworte auftauchen. Für Dokumentation wären das aktuell vermutlich „XML“, „single source publishing“ und „multi-lingual“, im Internet „Web 2.0“ und „remash“, im Softwarebereich „SOA“, „Virtualisierung“ und „Green IT“. Wenn wir sie nicht kennen, rollen wir die Augen über Buzzwords – wenn wir in diesem Business stecken, verwenden wir sie, um unser Know-How zu zeigen.

Man kann aber auch einen freundlicheren Gesamtblick auf das Thema Buzzword entwickeln, wie in diesem neulich bei „Stepcase Lifehack“ veröffentlichten Artikel: Buzzwords Are Disposable, Human Beings Are Not:
My simple, ongoing approach to buzzwords calls for dynamic balance: allow words to lead you to new places. Remember, buzzwords are disposable: some have great longevity, but the majority are going to fade. “Horseless carriage” was a buzzword back in its time, and see how far we’ve come with our cars like that Efijy?

Egal, ob man für oder gegen Buzzwords ist – immer up-to-date bleibt man mit Buzzwhack – Buzzwords of the Day (engl.) oder mit dem Blog schatenseite.de. Zusätzlich können Sie sich vom Master Buzzword Generator (dt.) mit weiteren Phrasen versorgen lassen.

Und wenn die Buzzword-Dichte mal zu hoch wird – hier gehts zu ausdruckbaren Karten für Bullshit Bingo (engl). oder Bullshit Bingo (dt.), dem allseits beliebten Bingo für Buzzwords. Dank der Internationalisierung sind beide Versionen in deutschen Technologie-Firmen gut verwendbar ;)

Hoher Wirkungsgrad im nächsten Team-Meeting!

NACHTRAG: Ich wurde von Sarah auf UniBingo hingewiesen, das ganz im Sinn von Web 2.0 von den Nutzern erweitert werden kann – mit Wörtern aus den jeweiligen Vorlesungen! Witzige Idee :)

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„Soft Language“ ist ein Begriff, der von George Carlin geprägt wurde. Er bezeichnet damit die modernen, „politically correct“ und dadurch auch oft verschleiernden Wortschöpfungen, die seiner Meinung nach die Lebendigkeit aus dem Leben nehmen („take the life out of life“). Auszug aus einem Artikel über Soft Language in About.com:

„Sometime during my life toilet paper became bathroom tissue. . . . Sneakers became running shoes. False teeth became dental appliances . . . Used cars became previously owned transportation. Room service became guest room dining. Constipation became occasional irregularity. . . .

Einen Auftritt dazu können Sie sich unter George Carlin on Soft Language (youtube) anschauen. Ein echtes Vergnügen, auch wenn die Botschaft durchaus ernsthaft ist. Wieweit ist Sprache heute eine maßgeschneiderte Verschleierung von zugrundeliegenden, auch mal unangenehmen Gegebenheiten?

„The CIA doesn’t kill anybody anymore. They neutralize people. Or they depopulate the area. The government doesn’t lie. It engages in misinformation. The Pentagon actually measures radiation in something they call sunshine units. . . . „

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Man fühlt sich an „1984“ erinnert; doch wo dort noch ein brutales Regime die kontrollierte Sprache Newspeak erfinden und von oben durchdrücken musste, arbeiten die Schreiber und Sprecher heute durchaus freiwillig mit.

Klassisch heißen solche Begriffe „Euphemismen“ (aus dem Griechischen für „Worte guter Vorbedeutung gebrauchen“), und Kluges dazu findet sich beispielsweise unter Euphemism in About.com:

„Euphemisms are not, as many young people think, useless verbiage for that which can and should be said bluntly; they are like secret agents on a delicate mission, they must airily pass by a stinking mess with barely so much as a nod of the head. Euphemisms are unpleasant truths wearing diplomatic cologne.“
(Quentin Crisp, Manners from Heaven)

Natürlich gibt es auch genug deutsche Euphemismen, beispielsweise in der deutschen Euphemismen-Datenbank. Da wird dann „freigesetzt“ statt „entlassen“, es gibt „Nullwachstum“ statt „Stillstand“ und „mehr Eigenverantwortung übernehmen“ bedeutet auch nur, dass mehr aus eigener Tasche gezahlt werden muss. Eine suboptimale ;) Entwicklung – ja, auch ich bin nicht gegen Euphemismen gefeit. Aber ich werde in Zukunft mal ein wenig genauer hinhören. Sie auch?

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