Offensichtlich kamen meine Bildchen mit Rechtschreibfehlern bei einigen Lesern so an, als hätte ich etwas gegen Bremen. Weit gefehlt. Es wäre vielleicht nicht die Stadt gewesen, in die ich aus freien Stücken gezogen wäre, aber bereut habe ich es nie.

Zur Bildungspolitik kann ich nichts sagen, aber genauso wie Bremen den ersten Platz bei der Pisa-Schwäche belegte, so belegt es auch die ersten Plätze bei Erwerbslosigkeit und Armut. Dass es hier viel aufzuholen gibt, liegt auf der Hand. Zum vielgescholtenen einfacheren Abitur im Norden mag ich nur folgendes sagen:

Im August nahm ich auf meinem Weg von Freiburg nach Bremen zum ersten und einzigen Mal einen Anhalter mit. Der sehr studentisch-alternativ aussehende junge Mann stand mit Rucksack und Jonglierkeulen an der Raststätte Bühl und wollte ebenfalls nach Bremen – da konnte ich ihn nicht stehenlassen.

Ursprünglich kam er aus der Gegend bei Karlsruhe, hatte Realschulabschluß und eine Lehre gemacht, bei der er sich bald klar war, dass er nicht in diesem Beruf arbeiten wollte. Da sein Traumstudium einen hohen NC hatte, ging er nach Bremen und holte dort sein Abitur nach, mit einer sehr viel besseren Note, als er in BaWü erzielt hätte.

Der junge Mann war wohlerzogen, motiviert, viel in Europa unterwegs auf Jongliertreffen und anderen Veranstaltungen, war auch in Bremen kulturell sehr aktiv, betrieb mit einigen anderen zusammen eine Musikkneipe und schien mir ganz einer der Menschen zu sein, die eine Bereicherung für ihre Umwelt sind. Und wenn solche Leute die Möglichkeiten der deutschen Bildungslandschaft nutzen, um ihren Traumberuf zu verfolgen, dann kann ich mich darüber nur freuen.

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