„Soft Language“ ist ein Begriff, der von George Carlin geprägt wurde. Er bezeichnet damit die modernen, „politically correct“ und dadurch auch oft verschleiernden Wortschöpfungen, die seiner Meinung nach die Lebendigkeit aus dem Leben nehmen („take the life out of life“). Auszug aus einem Artikel über Soft Language in About.com:

„Sometime during my life toilet paper became bathroom tissue. . . . Sneakers became running shoes. False teeth became dental appliances . . . Used cars became previously owned transportation. Room service became guest room dining. Constipation became occasional irregularity. . . .

Einen Auftritt dazu können Sie sich unter George Carlin on Soft Language (youtube) anschauen. Ein echtes Vergnügen, auch wenn die Botschaft durchaus ernsthaft ist. Wieweit ist Sprache heute eine maßgeschneiderte Verschleierung von zugrundeliegenden, auch mal unangenehmen Gegebenheiten?

„The CIA doesn’t kill anybody anymore. They neutralize people. Or they depopulate the area. The government doesn’t lie. It engages in misinformation. The Pentagon actually measures radiation in something they call sunshine units. . . . „

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Man fühlt sich an „1984“ erinnert; doch wo dort noch ein brutales Regime die kontrollierte Sprache Newspeak erfinden und von oben durchdrücken musste, arbeiten die Schreiber und Sprecher heute durchaus freiwillig mit.

Klassisch heißen solche Begriffe „Euphemismen“ (aus dem Griechischen für „Worte guter Vorbedeutung gebrauchen“), und Kluges dazu findet sich beispielsweise unter Euphemism in About.com:

„Euphemisms are not, as many young people think, useless verbiage for that which can and should be said bluntly; they are like secret agents on a delicate mission, they must airily pass by a stinking mess with barely so much as a nod of the head. Euphemisms are unpleasant truths wearing diplomatic cologne.“
(Quentin Crisp, Manners from Heaven)

Natürlich gibt es auch genug deutsche Euphemismen, beispielsweise in der deutschen Euphemismen-Datenbank. Da wird dann „freigesetzt“ statt „entlassen“, es gibt „Nullwachstum“ statt „Stillstand“ und „mehr Eigenverantwortung übernehmen“ bedeutet auch nur, dass mehr aus eigener Tasche gezahlt werden muss. Eine suboptimale ;) Entwicklung – ja, auch ich bin nicht gegen Euphemismen gefeit. Aber ich werde in Zukunft mal ein wenig genauer hinhören. Sie auch?

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  One Response to “Soft Language und Euphemismen”

  1. Bei YouTube gibt es das Video leider nicht mehr, aber http://www.orschlurch.de/2009/04/george-carlin-soft-language/ hat es noch.

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