Ein kleiner Nachtrag zum gestrigen Eintrag:

Gerade bin ich bei der Bärentatze vorbeigesurft, eine Webseite mit Feed und Newsletter zum Thema „Sprachspuren in Marketing, Kultur, Ethik“ von Oliver Bär.

Dabei stieß ich passend zur Frage von gestern – „If it’s in the dictionary, does that make it a real word?“ – auf seinen Eintrag Steht’s im Duden?

Texter berichten, dass mancher Kunde einer neuen Wortschöpfung misstraut: “Steht’s im Duden?” Nur dann sei es rechtens, sonst müsse es durch ein bekanntes, und sei es noch so abgelutscht, ersetzt werden.

duden.gif

Zwar leiden wir alle immer mal unter sprachverhunzender ;) Werbung, aber Herr Bär verweist zu Recht auf das Recht, auch Wörter zu verwenden, die so nicht im Duden stehen. Der Duden spiegelt den tatsächlichen Gebrauch wider; er wäre beim Grammar Girl ein „descriptive dictionary“ (siehe auch die Erklärung der Dudenredaktion: Wie kommt ein Wort in den Duden?).

Nicht zuletzt deshalb haben sich einige der vom amtlichen Regelwerk vorgegebenen Änderungen im Duden nicht durchsetzen können. Es war sehr amüsant zu sehen, wie sich mit jedem Duden nach den Reformen bestimmte Einträge von „alte Schreibweise“ über „alte Schreibweise auch erlaubt“ zu einer Gleichstellung von alter und neuer Schreibweise gewandelt haben. Aktuell gibt es ca. 2500 Wörter mit verschiedenen zulässigen Schreibweisen.

Interessant sind die unterschiedlichen Zielrichtungen der Einträge. Während das Grammar Girl für „irregardless“ darauf abhebt, dass bloß weil es in einem Dictionary steht, es noch keine gute Sprache ist, so weist Herr Bär ausdrücklich darauf hin, dass bloß weil ein Wort nicht im Duden steht, man es trotzdem verwenden kann. Zum einen geht es hier nicht um eine Deutschprüfung wie damals, als noch jemand mit rotem Stift über unsere Texte ging – zum anderen ist es gut möglich, dass das „Unwort“ von heute in der übernächsten Duden-Ausgabe steht. Sprache ist etwas lebendiges, und der Duden ist zwar ein sehr starkes, wichtiges Maß für gute Sprache (gerade auch für technische Dokumentation) – aber er ist kein Gesetzeswerk.

P.S. Wenn Sie ganz unbedingt Duden-konform sein wollen oder müssen, können Sie sich bei Unklarheiten telefonisch an die Duden-Sprachberatung wenden :)

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