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Gerade wurde auf einer Liste eine Seite über Deppenapostrophe gepostet. Hier finden sich Links zu weiteren Seiten mit abschreckenden Beispielen wie „Morgen’s gebracht, bis Abend’s gemacht“, „Hit’s des Monat’s“ oder „Bauer’nhof“. Der Kreativität scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein. Dabei ist der Apostroph im Deutschen ein eher selten gebrauchtes Zeichen, dessen Anwendung bei weggefallenen Buchstaben und Auslassungen in der Wikipedia beschrieben ist.

Hier könnte man sich fragen, warum ein gewisses beliebtes norddeutsches Bier einen Apostroph im Namen hat (und nein, dies hat es nicht im Zuge einer Anglifizierung erhalten). Im Wikipedia-Artikel zum Deppenapostroph findet man die Erklärung:
Die Verwendung von Apostrophen ist insbesondere vor dem Genitiv-s keine neue Erscheinung. Bis zum 19. Jahrhundert war diese Schreibweise üblich. Der Duden missbilligte diese Verwendung des Apostrophs zunächst nur: Bei Genitiven sei es „nicht erforderlich“, einen Apostroph zu setzen. Erst in der Reform der deutschen Rechtschreibung von 1901 wurde diese Verwendungsweise für normwidrig erklärt. […] Traditionsreiche Handelsmarken mit Genitiv-Apostroph sind unter anderem Beck’s Bier, Kaiser’s Kaffee Geschäft oder Hoffmann’s Gardinenneu.

Becks

Die häufigste Form des Deppenapostrophen ist inzwischen erlaubt – Willi’s Würstchenbude darf so heißen, wenn der Apostroph zum Zwecke der Verdeutlichung eines Personennamens gebraucht wird. Dafür – hätten Sie’s gewusst? – ist der Apostroph bei der zweiten Person im Imperativ (z.B. „Geh mit mir.“) inzwischen offiziell fehl am Platz.

Es gilt mal wieder – der Duden bildet letztlich die Verwendung ab. Es bleibt spannend, wohin der Apostroph sich in den nächsten Jahrzehnten bewegt. In diesem Sinne – Pro’st!

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  3 Responses to “Deppenapostroph und was alles so geht…”

  1. Liebe Frau Dr. Großmann,
    in diesem Zusammenhang komme ich nicht umhin, auf die köstliche und amüsante Buchereihe des Sebastian Sick zu verweisen, der mit „Der Dativ ist dem Genetiv sein Tod“ eine kurzweilige Literatur über die deutsche Sprache verfaßt hat. Unter anderem auch über den angesprochenen Deppenapostrophen, gleichwohl Sick sich „elejanter“ ausdrückt … ;)
    http://www.bastiansick.de/

    • Danke für den Kommentar! Interessant, dass Sie auf den Zwiebelfisch-Autor Sick hinweisen. Im Dezember habe ich „Das Schreibbuch“ gelesen und im Blog kommentiert, und da wurde Sick überraschend kritisch betrachtet. Ein ganzer Beitrag unter dem Titel „Warum die populäre Sprachkritik so oft auf dem Holzweg ist“ beschäftigt sich mit Sprachpflegern und ihren Schwächen. Lesenswert, auch wenn man sich – wie ich – normalerweise wenig mit den (Un)Tiefen der Sprachanalyse auseinandersetzt…

  2. […] vermutlich werbetechnisch katalysierter, aber doch unter Deppenapostroph zu verbuchender kreativer Ausbüchser findet sich auf einem Produkt der Molkerei […]

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